nenninger friedhofskapelle — pieta von franz ignaz günther

die friedhofskapelle in nenningen birgt ein kunstjuwel von weltrang

das legendäre vesperbild des kurbayerischen hofbildhauers franz ignaz günther (1725–1775) aus dem jahr 1774. als finales meisterwerk des künstlers ist diese pietà nicht nur sein unbestrittenes schöpferisches vermächtnis, sondern eine der ikonischsten und bedeutendsten skulpturen des rokoko im gesamten europäischen raum.

diese herausragende, transnationale dimension erhebt die figur zu einem kulturgut von unschätzbarem materiellem und ideellem wert. um diesem jahrhunderterbe gerecht zu werden und dem meisterwerk seinen gebührenden, würdevollen rahmen zurückzugeben, war eine umfassende, tiefgreifende sanierung des kapellenraumes, der fassaden und der außenanlagen zwingend erforderlich. nur so kann dieses unersetzliche monument menschlicher schöpfungskraft für kommende generationen bewahrt werden.

alles für das meisterwerk: reduktion und instandsetzung

sämtliche baumaßnahmen beschränken sich konsequent auf das wesentliche, um die ungeteilte aufmerksamkeit auf die skulptur zu lenken:

  • substanz- und objektschutz: salzbelastete sockelputze, schadhafte bodenbeläge, die marode elektrotechnik sowie eine im hintergrund installierte, moderne alarmanlage sichern die kapelle und das kunstwerk dauerhaft.

  • wandgestaltung: behutsame ausbesserungen und ein mineralischer neuanstrich schaffen einen edlen, zurückhaltenden rahmen für die figur.

  • klimaschutz: präzise fensterreparaturen und der bewusste verzicht auf eine heizung stabilisieren das raumklima, um das wertvolle lindenholz der skulptur vor schäden zu schützen.

die perfekte bühne: raumgliederung und inszenierung

die neugestaltung des raumes rückt die pietà radikal in den mittelpunkt:

  • schutz und sicht: eine filigrane gitterschranke wurde bewusst direkt am eingang und nicht im nahbereich installiert – das bewahrt den blick ungestört und gibt dem meisterwerk den nötigen raum, um völlig unbedrängt seine sakrale wirkung zu entfalten.

  • verweilen: die neue, reduzierte möblierung ermöglicht ehrfürchtiges betrachten, meditation und liturgische feiern im angesicht des kunstwerks.

  • konservierende lichtregie: ein indirektes, dimmbares licht hüllt den kapellenraum in eine feierliche atmosphäre – während maßgeschneiderte akzent- und richtstrahler als hochreine konservatorische beleuchtung die skulptur gezielt inszenieren, ihre emotionale tiefe maximal verstärken und die historischen farbschichten durch speziellen uv-schutz kompromisslos vor dem ausbleichen bewahren.

  • ankommen: das neue eingangspodest inszeniert bereits beim betreten den fließenden übergang zum sakralen kunstwerk.

das gemeinsame ziel

sämtliche maßnahmen dienen ausnahmslos einem höheren zweck: einer feierlichen liturgie sowie dem kompromisslosen erhalt, der maximalen sicherheit und der würdevollen inszenierung der weltberühmten nenninger pietà von franz ignaz günther.

  • AUSZEICHNUNGEN

    • Auszeichnung Beispielhaftes Bauen - Landkreis Göppingen 2008